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  • MUSUBI DOJO - ACADEMY FOR BODY & MIND

Die Macht der Präsenz: das Duell des Teezeremonienmeisters

Auf einer viel belaufenen Straße stieß ein Meister der Tee-Zeremonie eines Tages mit einem schlecht gelaunten Samurai zusammen.

Der Meister entschuldigte sich sofort, doch der Samurai wollte die Entschuldigung nicht gelten lassen und forderte den Meister zum Duell. Die Tradition verlangte, dass der Meister dieses Duell annahm – ob er nun ein Schwertkämpfer war oder nicht. Die beiden vereinbarten also einen Ort, an dem das Duell stattfinden sollte.

Der Meister suchte darauf hin einen berühmten Lehrer der Schwertkunst auf. Er erklärte, was ihm widerfahren war und fragte ihn, was er tun müsse, um ehrenhaft zu sterben. Der Lehrer wunderte sich über die ungewöhnliche Frage, willigte aber ein, dem Meister zu helfen. Der Lehrer fragte den kleinen Mann, ob er irgendeine Kunst beherrsche.

"Ich bereite Tee zu", antwortete dieser. 

"Hervorragend! Dann bereiten Sie mir Tee zu", sagte der Lehrer.

Der Tee-Meister nahm sofort die entsprechenden Utensilien hervor und begann äußerst konzentriert mit der traditionellen Zeremonie der Teezubereitung.

Der Lehrer war beeindruckt von der offenkundigen Ruhe des Meisters, obwohl ihm klar sein musste, dass er in wenigen Stunden sterben würde.

"Sie wissen bereits, wie man würdevoll stirbt", sagte der Lehrer. 

"Ich brauche Ihnen nichts mehr beizubringen."

Der Tee-Meister verbeugte sich und dankte dem Lehrer der Schwertkunst. In Ruhe packte er seine Utensilien wieder ein und machte sich auf den Weg zu dem verabredeten Ort. Sein Herausforderer wartete schon voller Ungeduld. Der Tee-Meister legte seine Utensilien so vorsichtig auf den Boden, als wolle er sie in ein paar Minuten wieder aufheben. Danach verbeugte er sich respektvoll und mit größter Ruhe vor dem Samurai.

Der Meister erhob sogleich sein Schwert mit dem Ziel den Samurai zu schlagen, was auch immer passieren möge. Während er ganz konzentriert mit erhobenem Schwert dastand, sah er, wie sich die Augen des Schwertkampf-Experten weiteten. Sie spiegelten zuerst Erstaunen wider, dann Respekt und zum Schluss Angst. Der Schwertkämpfer sah auf einmal keinen kleinen Meister der Tee-Zeremonie mehr vor sich, sondern einen furchtlosen Krieger, der seine Angst vor dem Tod überwunden hatte. Dem Samurai wurde jetzt klar, dass wahrscheinlich nicht sein Gegner, sondern er sterben würde.

Nach einem kurzen Moment der Besinnung ließ er sein Schwert sinken und bat den kleinen Tee-Meister um Entschuldigung und um die Ehre, von ihm unterrichtet zu werden, denn auch er wollte lernen, seine Angst zu besiegen.